Ich werde das Gefühl nicht los, dass Kaffeemaschinen mit Kapselsystem praktisch der Fußballsport der Frauen ist, also das neue Lieblingsspielzeug der Hausfrauen dynamischen Midage-Generation.
Wie viele Haushalte, die weibliche Vertreter unserer Rasse beinhalten, können es sich noch leisten, ohne eine dieser hippen, ultraschicken und technisch raffinierten Wunderwerke auszukommen? Schon die Anschaffung, die Planung einer Anschaffung, oder die Planung der Planung einer Anschaffung eines solchen Geräts rufen Euphoriezustände vergleichbar mit jenen von Männern bei sprechenden Sportwägen hervor.
Der Clou an der Sache ist ja, dass es heutzutage nicht mehr reicht, seinen Gästen “einen Kaffee” anzubieten. Nein, ähnlich den total überteuerten Gastronomiebetrieben muss eine ganze Auswahl geschaffen werden, um ein Maximum an Convenience für die Kundschaft zu erreichen. Wie haben wir das alles bloß in den Dekaden davor geschafft!?
Da werden Kapseln aller Art gebunkert und möglichst dekorativ zur Schau gestellt und am liebsten würden unsere Heldinnen auch noch genaue statistische Aufzeichnungen darüber führen, welche Sorte welche Popularität vorzuweisen hat. Am besten in Kuchendiagrammen. Haha, plattes Wortspiel, Verzeihung.
Die Frage “Willst einen Kaffee?” taugt also allerhöchstens als Einstiegsfrage für diese Beinahewissenschaft, will man ein moderner Gastgeber sein. Bei positiver Resonanz wird es dann wirklich spannend, denn jetzt muss gehandelt werden und alles möglichst unverkrampft, natürlich, aber flott und eindrucksvoll ablaufen. Wie stark darf er denn sein, auf einer Skala von 1-173? 168? Die ist gerade nicht vorrätig, au weia! Aber die 169er oder die 166er hätt’ ich da…
Stimmt, richtig, guter Einwand. Als ob die Stärke auf einer Skala angegeben wäre! Dass ich gerade auf die Idee komme! Natürlich hat jeder einzelne dieser Stärkegrade einen möglichst bedeutungsvoll klingenden, schwer auszusprechenden, italienischen oder englischen Titel. Das mit der Skala dient nur als System dahinter, damit auch wirklich jeder die Spielregeln versteht, ansonsten wäre das alles ja gar keine Herausforderung!
Wobei man sagen muss, dass so mancher unter Umständen wagt, mit der gleichen Maschine oder dem gleichen Kapselsystem daheim vertraut zu sein, von dem her kann als Gastgeber entweder mächtig getrumpft werden mit Fachwissen und Können oder es entwickelt sich eine rege Diskussion zum Thema “Welche Sorte ist jetzt die beste für welche Gelegenheit und wie passt das alles zu meiner Frisur?”
Apropos Herausforderung. Es hört noch lange nicht auf, denn wir haben gerade erst die Bestellung durch! Jetzt kommt der Moment, wo gazellengleich eine dieser Wunderkapseln aus einem Behältnis, einer Schublade, einer Vitrine oder egal woraus gefischt, die Kaffeemaschine damit bestückt und während des gesamten Vorgangs möglichst locker-lässig Smalltalk geführt werden muss – wenn da bloß mal nicht auf halbem Weg der Wassertank leer wird, das gibt Abzug! Als Mann natürlich undenkbar: Dank fehlender Multitaskfähigkeiten wären Schwitzflecken unvermeidlich!
Aber wer serviert denn heutzutage noch einfach Kaffee? Niemand!
Das Zauberwort heißt Milchschaum, das absolute Must-have der heutigen Zeit! Gleich im Anschluss an das eigentliche “Kaffeemachen” (also die vorher beschriebene Prozedur) muss mit perfekt sitzenden Handgriffen der Milchschaum erzeugt werden, quasi Abschlussprüfung. Wer hier versagt ist unten durch, wer ihn weglässt wirkt altmodisch.
Ihr sieht schon, es steckt sehr viel hinter der einfachen Fassade, wenn man sich nur ein bisserl mit dem Thema auseinandersetzt. Als Mann frage ich mich aber doch: Wenn es nicht um Kaffee ginge, wie viele Frauen wären dann so engagiert bei einem Stückchen Technik, besonders bei Küchengeräten..?

