Archiv für die Kategorie ‘soziale Netzwerke’

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Netzwerk.

06.11.2010

Wir von der jungen Generation, die regen Gebrauch vom Web 2.0 und den ganzen technischen Errungenschaften der letzten Zeit machen, werden ja nur allzu gerne von den älteren kritisiert und belächelt. Die jungen Leute säßen nur noch vor ihren Computern und würden nicht mehr rausgehen. Sie isolierten sich total, hätten keinen Kontakt zu anderen und vor allem: Sie spielten den ganzen Tag nur Videospiele.

“Du sitzt den ganzen Tag nur vor diesem scheiß Computer. Willst du nicht mal raus an die frische Luft?”

So eine pauschale Abwertung zeugt nur davon, wie wenig Ahnung die Leute von der Idee hinter diesen neuen Technologien haben. Dass der eigentlich Reiz des Internet längst nicht mehr (nur) in seinen bunten Inhalten und Onlinespielen liegt, sondern die zunehmende Vernetzung eigentlich schon längst ganz anders benutzt wird, scheint dabei ja fast schon nebensächlich. Man kennt nur die E-Mail aus den Anfangszeiten des WWW, die vielleicht eine sinnvolle Anwendung darstellt. Alles darüber hinaus ist doch sowieso unnötig und schlecht und Zeitverschwendung.

Aber die Tage, an denen Menschen allein, abgekapselt von ihrer Umwelt,  vor einem Bildschirm sitzen sind längst vorbei. Computer und Internet sind eben nicht nur etwas für Technikfreaks und sollen sie auch gar nicht mehr. Mittlerweile sucht sich jeder Benutzer selber genau aus, wem er Sofortnachrichten schicken möchte, mit wem er über das Internet telefoniert und dazwischen werden wichtigere und (leider auch) unwichtigere Ereignisse im sozialen Netzwerk gleich mehreren Bekannten zugänglich gemacht. Man lässt die anderen wissen, was man tut und nicht tut, was einen bewegt, man diskutiert und tauscht sich aus, und ganz wichtig: man erwartet auch von den anderen, dass sie einen an ihrem Leben teilhaben lassen.

Wie genau passt dies also mit dem Bild vom eigenbrötlerischen Einsiedler zusammen, der in seinem abgedunkelten Zimmer sitzt und das reale nicht mehr vom virtuellen Leben unterscheiden kann? Nur weil sich die Methoden geändert haben, wie man zueinander in Kontakt tritt, heißt das nicht, dass man asozial ist. Es haben sich neue Kanäle der Kommunikation entwickelt, und die wollen auch genutzt werden. Man sollte auch bedenken, dass dadurch geografische Grenzen mit einer nie dagewesenen Leichtigkeit überwunden werden können. Und wann bitte hat jemand behauptet, dass Telefon oder Schriftverkehr – egal ob über das Internet oder auf konventionellerem Weg – ein persönliches Treffen ersetzen könnte? Jeder gesellschaftlich integrierte Mensch wird zum gleichen Schluss kommen. Ergänzung: ja, Ersatz: niemals.

Zugegeben, es lässt sich alles überreizen. Spätestens, wenn bei einem “richtigen” Treffen nebenbei noch das dringende Bedürfnis besteht, auf seinem Smartphone ständig nachzusehen, was auf der Welt gerade noch alles passiert, muss eine Grenze gezogen werden. Zwar kann man nicht direkt behaupten, dass man asozial ist, weil man wissen möchte, was andere gerade machen, dafür ist es ganz schlicht und ergreifend unhöflich. Aber auch hier sollte der gesunde Menschenverstand weiterhelfen können.

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Patriotismus.

05.11.2009

Jetzt ist schon wieder was passiert. Haha. Wer hat’s gesagt? Nein, ich darf jetzt keine Floskeln klauen und vom Thema ablenken. Aber einmal mehr frage ich mich, ob man als kleine, unbedeutende Nation (geben wir’s zu!) sich eigentlich wirklich was davon verspricht, wenn ein besonders übermütiger Patriotismus an den Tag gelegt wird.
Oooh, wir sind alle sooo stolz auf unser Land. Sooooo schön haben wir’s. Ihr könnte alle neidisch sein auf uns. Mal ehrlich: Wirkt das nach außen hin nicht total selbstüberheblich? Das ist der Punkt, wo ich mal zwei wichtige Stichworte in die Runde schmeiße: Selbstlosigkeit und Bescheidenheit. Kommt eine Nation nicht sympathischer rüber, wenn sie sich bescheiden gibt? Ja, wir haben es alle gut, wir sind zufrieden, wie geht es euch? Nur aufpassen, dass nicht gleich ins Arrogante gewechselt wird. Also unterscheiden wir doch nochmal:

“Wir haben das schönste Land. Was ihr könnt, können wir schon lang. Seht euch uns doch bloß an!”
vs.
“Wir haben das schönste Land. Ihr habt’s vielleicht auch schön. Uns egal.”
vs.
“Wir haben ein schönes Land. Erzählt von euch.”

Ich gebe zu, sehr plakativ. Aber es nützt nix. Gut, würde es sowieso nicht, Patrioten lassen sich sicher nicht von ein bisschen Blog bekehren.
Auf jeden Fall wirken Patriotismus und Arroganz schon sehr ähnlich, oder vielleicht ist das auch nur meine Interpretation. Die Selbstlosigkeit könnte man jetzt auch mehr als Weltoffenheit betrachten, so genau kann ich ja auch nicht beziffern, wie jetzt ein weltoffener und wie ein selbstloser und ein bescheidener Mensch exakt diversifiziert erzählen würden.
Trotzdem braucht mir keiner erzählen, dass eine kleine Nation ihren Wert, ihr Ansehen steigert, indem sich jeder patriotischen Gruppen auf Sozialnetzwerken anschließt, nach dem Motto “Hier sind wir, seht uns an, wie gut wir uns selber finden!” Ähm, nein. Einfach nur : NEIN. Es nimmt uns keiner ernster, eher höre ich schon im Hintergrund andere Länder kichern: “Seht euch DIE an, sind sie nicht süß? Wie sie sich alle zusammentun und sich selber bestaunen?”

Der übertriebene Patriotismus nimmt den Menschen sowieso irgendwo die Sicht auf den Horizont, wenn ich das mal so nett-romantisch bebildschreiben darf. Kritik prallt ab, wird mit den ewig gleichen Argumenten widerlegt, die wahrscheinlich gar nichts mit dem Thema zu tun haben, böse Vernichtungsblicke inklusive. Die totale Wahrnehmungszerrung also.

Ich bin auch “stolz” auf meine Heimat, aber posaune ich es deshalb gleich ständig raus? Muss ich andere deshalb quasi diskriminieren? Ständig die eigene Hymne singen? Was sagt das eigentlich über das Ego einer Nation aus, wenn sie sich ständig aufplustern muss und sich wichtiger macht, als sie ist?
Versteh ich nicht und find ich unsympathisch. Leute, lasst es einfach bleiben. Immerhin seid es nicht ihr, die vor Jahrhunderten irgendwelche Heldentaten begangen, Denkmäler und Sehenswürdigkeiten errichtet und Gebirge, Täler, Landschaften geformt habt. Ihr lebt nur jetzt in der Gegend. Von dem her finde ich so ein Verhalten ziemlich heuchlerisch.

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Bekanntschaften.

24.10.2009

Wie viele Bekannte hat eigentlich ein durchschnittlicher Mensch, wie viele gute Bekannte und wie viele Freunde?
Wo da der Unterschied liegt? Natürlich in der Kontaktfrequenz zum jeweilig anderen Medium und vermutlich auch in der Themenauswahl während der Konversation, zumindest laut meiner Definition. Aber trotzdem muss ich mich wundern, welch irrsinniges Potenzial doch verschwendet wird. Da gibt es so viele Bekannte im Umfeld, die zumindest zu guten Bekannten oder zu Saufkumpanen werden könnten.

Jeder hat sie, ich würde sie jetzt mal liebevoll als Freundschaftsleichen bezeichnen, die, mit denen man früher mal in der Schule war, in der gleichen Klasse, oder wo auch immer man eine Weile mit ihnen zu tun hatte. Zu denen man dann irgendwann (gezwungenermaßen?) den Kontakt verloren hat, oder den man irgendwann nicht mehr halten wollte. Dann begegnet man ihnen wieder. Heutzutage ja auch kein Problem: Irgendein Freund von einem Bekannten von jemandem hat die betroffene Leiche in der eigenen Liste seines sozialen Netzwerkes dabei. Und man fragt sich unweigerlich: Was wurde eigentlich aus…? Kennt er/sie mich noch? Macht das jetzt überhaupt Sinn, wenn ich eine Freundschaftsanfrage schicke? Vor allem dann schwierig, wenn man sich zuvor eine Weile lang bewusst krampfhaft gegenseitig ignoriert hat.
Mal ganz ehrlich: Den persönlichen Kontakt erhöhen das Web 2.0 und vor allem solche Netzwerke nicht wirklich, oder doch? Schüchterne, nicht ganz so partyorientierte Personen wie meine Wenigkeit werden auch nicht ständig online nachhaken, ob, wann, wo, wie, wer, und dann gibt es da diese Hemmschwelle zwischen virtuellem und realem Kontakt. Wer verabredet sich denn schon im Internet? Dazu musst mindestens eine Handynummer her, damit wenigstens eine SMS drin ist.

Es hat doch wohl auch einen schalen Beigeschmack, wenn ich jemanden auf einer Freundschaftsliste habe, obwohl ich mit der Person genau gar nichts zu tun habe. Da denken andere natürlich nicht so, anders ließen sich bei vielen die hunderten virtuellen Freundschaften auch nicht erklären. Das kann mir keiner weismachen, dass ich zu 300 Personen Kontakt halte, auch im Internet nicht! Es GEHT einfach NICHT! Zumindest nicht so, dass das eine ernsthafte Bekanntschaft bliebe, die wird höchstens langweilig an der Oberfläche gekratzt und über das Wetter geredet. Darauf bin ich dann auch nicht gerade neidisch.
Aber auch wenn ich die Person dann mal zufällig antreffen sollte: Mehr als eine “Heyah, lange nicht gesehen, was machst du, wie geht’s dir?”-Unterhaltung ist dann auch nicht drin. Ja klar. Es ginge auch noch mit “Du, ich hab keine Zeit, gehn wir mal was Trinken, du findest mich im Internet!”, aber das zwingt sich doch dann schon wieder ein bisschen auf, oder nicht? Der andere denkt sich seinen Teil und scheißt drauf, kauft doch keine Katze im Sack.

So pessimistisch will ich jetzt aber auch nicht denken. Ein Wiedersehen und ein bisschen Unterhaltung, auch wenn es dann fürs Erste wieder dabei bleibt, können interessant und aufschlussreich sein und mit etwas Engagement (oder Glück) kann auch wieder etwas mehr Kontakt entstehen. Vermutlich bleibt das dann aber eher die Ausnahme als die Regel, denn wie gesagt: Bekanntschaften hat ein Mensch unzählige, Freundschaften aus allen zu entwickeln würde den Rahmen des Machbaren sprengen. Aber warum nicht einige Ausgewählte im Hintergrund lauwarm halten, um vielleicht später mal darauf zurückgreifen zu können? Klar, zu einer Freundschaft braucht es immer etwas mehr als ein paar rationale Gründe, verlieren tut man aber nichts, eher im Gegenteil. Es ist ja auch schon etwas gewonnen, wenn man ein paar dieser Bekanntschaften wiederaufleben lassen kann, es müssen ja nicht immer gleich Ansprüche gestellt werden.

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