Eigentlich hatte ich beschlossen, dieses Thema auszulassen angesichts der Lächerlichkeit und der ungeheuer inflationären Benutzung des Ausdrucks durch die Medien. Wer schluckt das eigentlich noch alles?
Es war einmal… irgendwann 2008, als ein Kartenhaus in sich zusammengebrochen ist, und keiner hat es kommen sehen. Oh Schreck. Wer sitzt da und heult? Die, die es zum Einsturz gebracht haben. Natürlich muss will die Allgemeinheit (metaphorisch für Steuerzahler) diesen armen Kreaturen helfen, damit die möglichst schnell wieder so ein wackeliges Gerüst aufbauen können, oder was?
Mag sein, es hat auch echte Verlierer gegeben bei dieser Sache, die unschuldig waren. Nur allzu gern hätte man in den Nachrichten aber wöchentlich von tausenden Todesopfern berichtet, die an der direkten Folge der Krise gestorben sind. Vermutlich war man sogar seitens der Pharmaunternehmen kurz davor, eine Impfung gegen die Krise herauszubringen (oder einen beliebigen Ladenhüter, der zu einem solchen umdeklariert wurde). Andererseits waren aber auch wirklich alle viel zu beschäftigt damit, die Gelegenheit Krise zu nutzen, um vielleicht eh schon seit Längerem überflüssiges Personal abzubauen und möglichst staatliche Finanzspritzen zu bekommen. Es müssen eben Prioritäten gesetzt werden, und wie wir wissen, hat man für das Thema “Impfstoff” auch bald einen neuen Vorwand gefunden, aber darum geht es ja jetzt gar nicht.
In den Nachrichten lassen sich immer genau zwei Arten von Meldungen vernehmen: Entweder irgendwas habe sich wegen der Krise verschlechtert (auch wenn das rein überhaupt nichts damit zu tun hat) oder irgendwas hat sich trotz der Krise halten können oder sogar verbessert (man staune: die traditionsbewussten Österreicher kaufen an Weihnachten trotz der Krise (!!!!) Weihnachtsbäume UND Geschenke, ist denn sowas zu fassen!?).
Ich warte noch auf die neuerlichen Übernachtungsrückgänge beim (Ski)-Tourismus, ein Trend, der schon seit Jahren anhält. Paradoxerweise jubeln am Ende jeder Saison trotzdem alle mit einem Nächtigungsrekord, aber egal was kommt: Mit der Krise lässt sich schon eine passende Schlagzeile basteln, so oder so. Also entweder “Trotz Krise Nächtigungsrekord” oder “Nächtigungsrückgang wegen Krise” (nicht, dass da vielleicht mal der Zufall oder einfach eine ungünstige Wetterlage gerade bei Skiorten eine Rolle spielen könnten, abgesehen von den irrsinnigen Preisen).
Ja, die Leute fahren sogar noch mit dem eigenen Auto, telefonieren, lachen, heizen, fressen und scheißen – und das alles TROTZ DER KRISE!
Wie praktisch: So einen universell einsetzbaren Sündenbock hatte man schon lange nicht mehr! Wollen wir Preise und Steuern erhöhen? Sicher, für was haben wir denn die Krise! Zinsen auf praktisch Null setzen? Immer her damit! Angestellte entlassen und Gehälter (ausgenommen Manager und andere extrem wichtige Tiere, die brauchen mehr Geld wegen der Krise) kürzen? Jetzt ist die Gelegenheit!
Wie lange wird dieses Spiel jetzt noch so weitergehen, bevor die Luft raus ist?

