Archiv für die Kategorie ‘Schwafel’

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Trinkgeld.

20.02.2010

Man nehme eine beliebige Menge Trinkgeld. So. In dieser Welt gibt es davon natürlich so einige Mengen, aber nehmen wir mal nur eine davon.

Trinkgeld ist dann genau genommen einfach nur Blindleistung, die keinem was bringt. Außer Inflation. Wenn du bei einer Dienstleistung Trinkgeld gibst, wird diese Person mit ziemlicher Sicherheit irgendwann auch Trinkgeld an jemand anderen geben, vielleicht sogar die gleiche Menge. Das Trinkgeld wandert quasi von einem Besitzer zum nächsten und leidet also an Bindungsangst. Das ließe jetzt Schlüsse auf eine schwere Kindheit o. Ä. zu, aber ginge zu weit.
Bis es auf jemanden trifft, der egoistisch ist. Der behält sich diese Menge an Trinkgeld für sich und nutzt es nicht als solches. Stattdessen kauft er sich früher oder später etwas mehr oder weniger Schönes davon. Das Trinkgeld verliert somit seinen besonderen Status und wird als “normales” Geld zweckentfremdet.

Der, der das Geld schlussendlich einnimmt, wird auch irgendwann Trinkgeld geben, daher wird es nur vorübergehend zu normalem Geld. Aber nur, wenn die Person nicht schon selber einmal Trinkgeld erhalten hat, weil sonst ist die Menge, die da gegeben wird, eine andere, als die, die vorher zweckentfremdet wurde.
Jeder, der also einmal Trinkgeld erhalten hat, muss über eine unendlich lange Zeit verteilt diese Menge im Ganzen oder in Teilen wieder als solches weitergeben, damit es nicht zweckentfremdet wird.

Wo die Pointe bleibt? Es gibt keine. Nur, dass Trinkgeld eigentlich keinen richtigen Zweck zu erfüllen scheint. Und Leute, die überhaupt nie Trinkgeld geben, müssten statistisch gesehen um einiges mehr zur Verfügung haben als der Rest.

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Ansprache.

31.01.2010

Wie interessant wäre es, einmal zu erfahren, was Freunde und Verwandte von der eigenen Person erzählen würden, wenn sie in die Verlegenheit kämen, eine Ansprache zu halten, zum Beispiel auf der eigenen Hochzeit oder der eigenen Beerdigung.

Sicher, Beerdigung klingt jetzt krass, aber vermutlich gibt keine andere Gelegenheit so gut Aufschluss über die Beziehung zu anderen Menschen wie eine gute, ehrliche Beerdigung (nicht das heuchlerischer “Ich muss da hin, weil die Person um 13 Ecken mit mir verwandt war, obwohl ich die gar nicht gekannt habe”). Wer käme zum eigenen Begräbnis, wenn es heute oder morgen stattfinden würde? Wer würde um einen weinen? Wer würde ein paar Worte sprechen? Wie würde sie aussehen? Oder wäre es vielleicht eine fröhliche Feier, weil “man es selber so gewollt hätte”?

Auf Hochzeiten ist die Thematik natürlich von Haus aus ein bisschen unbeschwerter, wenn man von ein paar drittklassigen amerikanischen Komödien absieht, wo alles im Desaster enden muss oder irgendwelche Liebeswirrungen vorhanden sind und sich Eifersuchtsszenen abspielen oder irgendwer am Altar sitzen gelassen wird. Und abgesehen davon, dass auf Hochzeiten in unseren Breiten eigentlich keiner Ansprachen auf Hochzeiten hält. Aber rein hypothetisch: Welche Worte würde man für dich finden? Was würde dein bester Freund, deine beste Freundin über dich sagen? Wie warst du früher, hast du dich entwickelt, welche (ehrlich gemeinten) Komplimente gibt es?

Mindestens genauso interessant jedoch: Was würdest DU sagen, wenn du über jemanden eine Ansprache halten solltest? Wie würdest du über deinen Freund oder deine Freundin denken, wenn du erführest, dass du ihn oder sie nicht mehr wieder sehen wirst, siehst du nur noch die positiven Seiten? Denkst du daran, wie du die Person kennen gelernt hast? Was hättest du gerne noch gesagt zu dieser Person, was du bis jetzt vielleicht aus Feigheit noch nicht gesagt hast, oder weil es dir einfach unwichtig erschienen ist?

Zugegeben, ich bin kein Fan von Artikeln, in denen nur Fragen gestellt werden und keine Antworten gegeben werden. Dieses Thema ist jedoch eindeutig zu subjektiv und individuell, als dass ich hier auch nur irgendwas pauschalisieren könnte. Einfach mal nachdenken darüber, irgendwie lernt man seine Bekannten bei solchen Gedanken doch gleich etwas mehr zu schätzen. Weil wer weiß, passieren kann immer etwas.

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Nonplusultra.

21.01.2010

Im Leben gibt es gewisse Ideale und Werte, an denen sich die Leute orientieren. Jetzt ist das Problem aber, dass da manchmal eben willkürlich “Einheiten” festgesetzt werden, die sich überhaupt nicht abstufen lassen. Nein, falsch, eigentlich wird da ja gar keine Einheit festgesetzt. Eher macht sich die Institution bzw. das Produkt von selber einen Namen und gilt dann irgendwann als das Nonplusultra der ganzen Branche, dazwischen gibt es nur einige kleine Fische, die nicht mehr wirklich zählen.

Das kann jetzt bei diversen Filmpreisen oder sonstigen Auszeichnungen der Fall sein, bei Software oder bei Gerätschaften jeglicher Art. Entweder weil sich aus der Masse an möglichen Kandidaten einer als der Beste und Wichtigste und Aussagekräftigste herauskristallisieren MUSS oder weil bei der Entstehung noch keine Konkurrenz vorhanden war. Das System fährt sich so oder so dermaßen fest, dass es Mitstreiter schwer haben, sich zu behaupten.
Auch wenn inoffiziell bereits längst andere sich so weit etabliert hätten, dass sie qualitativ besser sind und als neuer Anhaltspunkt gelten sollten, hat der ehemalige Platzhirsch trotz seines verlorenen Glanzes noch einiges mitzureden.

Genau das macht mich von Zeit zu Zeit stutzig. Auch wenn ich selber weiß, dass es bessere Alternativen gäbe, halte ich mich lieber an meine Gewohnheiten und muss mich dann erst später von den innovativ mehr bewanderten in unserer Gesellschaft belächeln lassen, die natürlich schon längst gewusst haben, dass so ein Umstieg mehr als gerechtfertigt ist.

Aber auch wenn Leute nach und nach ihre Gewohnheiten ändern und doch etwas Neues probieren, sich selber ein Bild davon machen, irgendwo in ihrem Unterbewusstsein bleibt doch noch dieses veraltete Nonplusultra erhalten. Die Masse ist eben träge, und das macht es für manche Neulinge bzw. Innovationen schwierig, sich durchzusetzen.

Das ist in zweierlei Hinsicht schade. Zunächst ein Nachteil für die Bevölkerung selber: Sie lässt sich evtl. Besseres entgehen oder nimmt es nur unzureichend wahr. Als direkte Folge werden sich Hersteller, Veranstalter oder egal wer hinter den Kulissen arbeitet wieder zurückziehen; wenig Resonanz motivierte halt auch nicht. Also zweitens weniger Innovation bzw. Vielfalt.
Obwohl: Die Platzhirschen kennen da ja keine Skrupel, die schauen sich einfach bei der weniger bekannten Konkurrenz ein paar Sachen ab und verkaufen sie als neu. Da können die Geschröpften noch so laut “Wir waren aber zuerst!” schreien, es verhallt alles ungehört, weil ja jeder nur Ohren und Augen für das Nonplusultra hat.

Deshalb einfach mal ein bisschen nachdenken, sobald mit Superlativen geworfen wird. “Der/die/das Wichtigste, Bedeutendste, Größte und Beste” ist schnell gesagt, unabhängig vom Wahrheitsgehalt. Kennt man ja aus der Werbung.

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Karma.

12.01.2010

Es gibt so Tage, da fragt man sich unweigerlich, was man eigentlich angestellt hat, um so viel Ungemach zu verdienen. Und es müssen keineswegs Katastrophen passieren, kein Elektro- oder Autounfall, kein fataler Fehler, nichts Gröberes eben.

Vielmehr ärgert man sich auf den ganzen Tag verteilt über so Kleinigkeiten, die einen reibungslosen Ablauf einfach stören. Handgriffe, die schon hunderte Male gemacht wurden und Tätigkeiten, wo sich längst Routine eingestellt hat, stocken auf einmal im Detail. Konversation hat einen komischen Beigeschmack, im Nachhinein fragt man sich, was für einen Blödsinn man gerade gesagt hat und warum man auf die einfachsten Dinge nicht selber gekommen ist. Noch dazu scheint man seinem Umfeld mit der eigenen Unfähigkeit auf die Nerven zu gehen, was auch keine motivierende Vorstellung ist. Man stellt sich einfach bei allem patschert an und kommt aus der Verwunderung über einen selber gar nicht mehr raus.
Sollte man einfach so hinnehmen und als unwichtig abtun, wäre auch vernünftiger, aber Fehler machen sich ja auch nicht von allein – also doch selber Schuld. Das kann auch ein bisschen am Selbstbewusstsein nagen (aber nur bis zum nächsten Tag, wenn alles wieder wie gewohnt läuft).

Es hilft nicht einmal, sich dessen bewusst zu sein, dass das Karma des aktuellen Tages einfach nicht ganz auf der Höhe ist, denn gerade jedes Mal, wenn man denkt, wieder auf der sicheren Seite zu sein und alles unter Kontrolle zu haben, passiert wieder irgendwas. Alles, was zu tun bleibt, ist sich damit abzufinden, und vielleicht ist es eine gute Idee, ein paar wichtige Erledigungen einfach doch auf den nächsten Tag zu verschieben.

Jetzt könnte jemand auf die Idee kommen, dass es sich um Murphy’s Gesetz handelt. Aber nein, denn dieses äußert sich zumindest bei mir immer viel plakativer und provokanter und ist auf äußere Gegebenheiten zurückzuführen, auf die man keinen Einfluss hat, also die dauerrote Ampel und die langsamste Kassenschlange. Dem widme ich aber irgendwann garantiert noch einen eigenen Eintrag.

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Zeitsprung.

22.11.2009

Es gibt Momente im Leben, auf die man gut und gerne verzichten könnte. Egal ob besonders peinlich, anstrengend oder unbegreifbar (von der Sorte “Ist jetzt aber nicht wahr?!”).

Du arbeitest seit Stunden, Tagen, Wochen am gleichen Projekt und investierst viel Herzblut. Kurz nach der Fertigstellung kommt dein Vorgesetzter und weist dich auf winziges Detail hin, das du vergessen hast. Nicht tragisch, aber einfach ärgerlich, vor allem aber peinlich. Wie konntest du das bloß übersehen? Du hast diese Art von Arbeit schon zig mal gemacht, und jetzt wo’s drauf ankommt, vergisst du auf einmal Kleinigkeiten.

Du sparst seit Jahren auf dein Traumauto, bis es soweit ist. Das Händler-Abklappern, Verhandeln, der ganze Papierkram, das ewige Warten auf die Lieferung und den heiß ersehnten Anruf… alles vergessen: der Wagen steht vor dir. Auf Hochglanz poliert, neu, unverbraucht, neben dir ein gut gelaunter Verkäufer der dir noch eine Flasche Sekt in die Hand drückt und die SCHLÜSSEL. Der Innenraum riecht noch nach Neuwagen, alles fühlt sich so an wie du es dir vorgestellt hast. Noch bei der Überstellungsfahrt vom Händler heim fährt dir ein Dilettant an einer Kreuzung in einem unbedachten Moment hinten rein. Nicht genug für einen Totalschaden, aber zu viel um es einfach rauspolieren zu können. Danke, die Reparatur wird eine Woche in Anspruch nehmen und bis ein Termin gefunden ist, wirst du noch mehrere Wochen auf der Straße schief angeschaut und darfst mit den Zähnen knirschen.

Ich weiß nicht, wie andere denken, aber zu gerne würde ich einfach die Zeit in solchen Momenten beeinflussen können. Es wäre schon viel gewonnen, wenn um einen herum einfach alles abgeschaltet und pausiert würde und man einfach nur einmal laut fluchen, schreien, weinen, toben, was auch immer tun könnte, Dinge ändern, Beweise verschwinden lassen, EGAL WAS!
Noch besser eignen würde sich natürlich ein kleiner Zeitsprung hi und da, um gewisse Szenen noch einmal durchzuspielen, Gesagtes ungesagt zu machen oder besser zu formulieren, Entscheidungen rückgängig zu machen… kennt man ja alles. Besonders interessant fände ich aber die Möglichkeit, einfach mal während so eines Stillstandes herumzugehen und die Leute zu beobachten. Sind sie dort, wo sie vorgegeben haben zu sein? Sieht die heiße Schnitte aus anderen Winkeln auch noch so gut aus wie gerade beim Vorbeigehen?

Es würde mich interessieren, in welchen Situationen andere Menschen genauso denken wie ich. Das sprichwörtlich Im-Boden-Versinken halte ich jetzt für obsolet – irgendwann muss man ja schließlich wieder an der Oberfläche auftauchen und dann wird man erst recht wieder mit den Peinlichkeiten von vorhin konfrontiert. Aber so ein bisschen an der Zeitleiste herumpfuschen…?

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Lügen.

10.11.2009

“Du hast nicht zufällig einen Kuli eingeschoben, den du mir leihen kannst?”
“Wart, ich schau mal… nein, hab keinen.”

Natürlich war das gelogen. Der Kuli ist entweder in einer anderen Tasche (die ganz unauffällig nicht durchsucht wird) oder er ist in der Tasche ganz tief drin versteckt, das Gegenüber wird kaum selber Hand anlegen.
Jetzt ist das mit dem Lügen ja so eine Sache. Verpönt hin oder her, in so einer Situation ist doch eine Lüge für alle die beste Lösung. Nein? Dann hätte es natürlich wie folgt geklungen:

“Du hast nicht zufällig einen Kuli eingeschoben, den du mir leihen kannst?”
“Doch, ich hab sogar einen. Aber ich will ihn dir eigentlich nicht leihen. Frag wen anderen.”

Wie steht unser Protagonist jetzt da? Unfreundlich, egoistisch, nicht mal für so einen läppischen Gefallen zu haben.
Mag sein, dass der andere seine Zweifel hat, wenn man ihm etwas vorlügt, und sowieso genau weiß, was eigentlich Sache ist. Mag sein, dass es vielleicht heuchlerisch klingt, wenn ich sage, ich lüge für den guten Zweck. Das ist ja eigentlich schon ein Widerspruch in sich, ähnlich wie “für den Frieden kämpfen” oder so.
Es gibt ja auch Lügen, die können wirklich fatale Folgen haben. Das muss dann jeder selber abschätzen können, wo er die Grenze zieht. Aber es sollte auch jedem bewusst sein, dass die gnadenlose Ehrlichkeit (ich meine damit wirklich gnadenlosest!) eigentlich gar nicht erwünscht ist, sofern nicht explizit verlangt.

Eine Welt ganz ohne Lügen? Das hätte wohl mehr Nachteile als Vorteile. Freilich, keine üblen Machenschaften, unverzerrte und unzensierte Information für jeden, Transparenz, freie Meinungsäußerung jederzeit und überall. Aber wie sieht es zwischenmenschlich aus? Kann sich überhaupt sowas wie eine Beziehung aufbauen? Wie soll man sich noch ins rechte Licht rücken können und ein paar Fehler oder Schwächen unauffällig kaschieren? Wirken denn nicht alle Menschen ein bisschen facettenlos und ähnlich?  Und wo bleibt die Spannung, wenn ich eine Geburtstagsüberraschung plane, und dem Jubilar alles sagen muss? Wo ist die Privatsphäre, die Intimsphäre, wenn ich jedes Geheimnis teilen muss, wenn ich danach gefragt werde? Und könnte dieses totale Nichtlügen nicht mindestens genauso gut missbraucht werden?

Wer es übertreibt und mit den Konsequenzen leben muss: er soll daraus lernen. Wirklich unsympathisch wird es halt, wenn man andere in seine Lügengestricke hineinzieht und die Kontrolle verliert. Sehr schön zu sehen in Schema-F-Komödien aus aller Welt.
Ein bisschen Flunkern tut doch niemandem weh, wenn keine böse Absicht dahinter steckt. Missverständnisse entstehen ja auch, wenn nur Klartext gesprochen würde, so ist es ja dann auch wieder nicht, weil interpretieren muss dann ja doch jeder für sich selber.

Aber es gibt eben so Leute, die reagieren extrem empfindlich auf Lügen und werden dann auch gleich immer sehr skeptisch, wenn sie erst einmal draufgekommen sind. Ist ja auch nicht immer nett, aber vielleicht sollte man halt mal ein Auge zudrücken. Muss ja nicht jeder aus reiner Boshaftigkeit lügen, sondern meistens hat man ja seine Gründe und rückt vielleicht eh später noch mit der Wahrheit raus.

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Patriotismus.

05.11.2009

Jetzt ist schon wieder was passiert. Haha. Wer hat’s gesagt? Nein, ich darf jetzt keine Floskeln klauen und vom Thema ablenken. Aber einmal mehr frage ich mich, ob man als kleine, unbedeutende Nation (geben wir’s zu!) sich eigentlich wirklich was davon verspricht, wenn ein besonders übermütiger Patriotismus an den Tag gelegt wird.
Oooh, wir sind alle sooo stolz auf unser Land. Sooooo schön haben wir’s. Ihr könnte alle neidisch sein auf uns. Mal ehrlich: Wirkt das nach außen hin nicht total selbstüberheblich? Das ist der Punkt, wo ich mal zwei wichtige Stichworte in die Runde schmeiße: Selbstlosigkeit und Bescheidenheit. Kommt eine Nation nicht sympathischer rüber, wenn sie sich bescheiden gibt? Ja, wir haben es alle gut, wir sind zufrieden, wie geht es euch? Nur aufpassen, dass nicht gleich ins Arrogante gewechselt wird. Also unterscheiden wir doch nochmal:

“Wir haben das schönste Land. Was ihr könnt, können wir schon lang. Seht euch uns doch bloß an!”
vs.
“Wir haben das schönste Land. Ihr habt’s vielleicht auch schön. Uns egal.”
vs.
“Wir haben ein schönes Land. Erzählt von euch.”

Ich gebe zu, sehr plakativ. Aber es nützt nix. Gut, würde es sowieso nicht, Patrioten lassen sich sicher nicht von ein bisschen Blog bekehren.
Auf jeden Fall wirken Patriotismus und Arroganz schon sehr ähnlich, oder vielleicht ist das auch nur meine Interpretation. Die Selbstlosigkeit könnte man jetzt auch mehr als Weltoffenheit betrachten, so genau kann ich ja auch nicht beziffern, wie jetzt ein weltoffener und wie ein selbstloser und ein bescheidener Mensch exakt diversifiziert erzählen würden.
Trotzdem braucht mir keiner erzählen, dass eine kleine Nation ihren Wert, ihr Ansehen steigert, indem sich jeder patriotischen Gruppen auf Sozialnetzwerken anschließt, nach dem Motto “Hier sind wir, seht uns an, wie gut wir uns selber finden!” Ähm, nein. Einfach nur : NEIN. Es nimmt uns keiner ernster, eher höre ich schon im Hintergrund andere Länder kichern: “Seht euch DIE an, sind sie nicht süß? Wie sie sich alle zusammentun und sich selber bestaunen?”

Der übertriebene Patriotismus nimmt den Menschen sowieso irgendwo die Sicht auf den Horizont, wenn ich das mal so nett-romantisch bebildschreiben darf. Kritik prallt ab, wird mit den ewig gleichen Argumenten widerlegt, die wahrscheinlich gar nichts mit dem Thema zu tun haben, böse Vernichtungsblicke inklusive. Die totale Wahrnehmungszerrung also.

Ich bin auch “stolz” auf meine Heimat, aber posaune ich es deshalb gleich ständig raus? Muss ich andere deshalb quasi diskriminieren? Ständig die eigene Hymne singen? Was sagt das eigentlich über das Ego einer Nation aus, wenn sie sich ständig aufplustern muss und sich wichtiger macht, als sie ist?
Versteh ich nicht und find ich unsympathisch. Leute, lasst es einfach bleiben. Immerhin seid es nicht ihr, die vor Jahrhunderten irgendwelche Heldentaten begangen, Denkmäler und Sehenswürdigkeiten errichtet und Gebirge, Täler, Landschaften geformt habt. Ihr lebt nur jetzt in der Gegend. Von dem her finde ich so ein Verhalten ziemlich heuchlerisch.

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Lesen.

29.10.2009

Ich gebe zu: Ich lese zu wenig. Ich kann nicht einmal behaupten, dass ich früher mehr gelesen hätte. Hin und wieder mal einen Schinken, aber so richtig…? Nö.

Dabei finde ich die Institution “Lesen” an sich eigentlich total super. Es gibt nichts Unaufdringlicheres als Lesen, nichts was die Fantasie mehr anregt, als wenn vor einem Bilder entstehen, die mal nicht elektrischen Ursprungs sind (rein technisch, nicht anatomisch natürlich, weil das Gehirn ja auch mit elektrischen Impulsen arbeitet usw.).
Und, für mich persönlich am wichtigsten: Lesende versprühen so viel Intellekt. Das ist jetzt Geschmackssache, aber in meinem Kopf gibt es eben dieses romantisch-ausgeglichene Bild von der Person, die, während um sie herum Chaos tobt, Meteoriten abstürzen, Leute streiten, Häuser brennen und alles laut ist, einfach dasitzen und lesen. Sie brauchen keine gewaltfördernden Egoshooter, keine laute Krachbumm-Musik, keine Alkoholexzesse. Sie sind praktisch der “bessere Typ Mensch”. Haha. Irgendwann erschießt mich noch jemand für den Blödsinn, wahrscheinlich irgendwer von den Linken.

Und bevor jemand zu diskutieren anfängt: Ich rede von “richtiger” Literatur, solange es nicht gerade total oberflächliche Groschenromane sind. Auch ausgenommen sind Männer-, Lifestyle- und Hochglanzmagazine sowie Möbel- und Kleiderkataloge. Und nein, Hörbücher zählen auch nicht. Das ist zu bequem.
Ein bisschen unschlüssig bin ich bei Fachliteratur der Marke “Versteht doch kein Schwein?!”, weil es immer ein bisserl freaky rüberkommt. Aber vermutlich keine schlechte Sache, wenn sich der Lesende noch mehr Wissen aneignen will und dann später bei tiefsinnigen Gesprächen einige Fremdwörter als Interjektionen herhalten müssen. Peppt Atmosphäre, Stimmung und Niveau sofort auf.

Noch Fragen?

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Bekanntschaften.

24.10.2009

Wie viele Bekannte hat eigentlich ein durchschnittlicher Mensch, wie viele gute Bekannte und wie viele Freunde?
Wo da der Unterschied liegt? Natürlich in der Kontaktfrequenz zum jeweilig anderen Medium und vermutlich auch in der Themenauswahl während der Konversation, zumindest laut meiner Definition. Aber trotzdem muss ich mich wundern, welch irrsinniges Potenzial doch verschwendet wird. Da gibt es so viele Bekannte im Umfeld, die zumindest zu guten Bekannten oder zu Saufkumpanen werden könnten.

Jeder hat sie, ich würde sie jetzt mal liebevoll als Freundschaftsleichen bezeichnen, die, mit denen man früher mal in der Schule war, in der gleichen Klasse, oder wo auch immer man eine Weile mit ihnen zu tun hatte. Zu denen man dann irgendwann (gezwungenermaßen?) den Kontakt verloren hat, oder den man irgendwann nicht mehr halten wollte. Dann begegnet man ihnen wieder. Heutzutage ja auch kein Problem: Irgendein Freund von einem Bekannten von jemandem hat die betroffene Leiche in der eigenen Liste seines sozialen Netzwerkes dabei. Und man fragt sich unweigerlich: Was wurde eigentlich aus…? Kennt er/sie mich noch? Macht das jetzt überhaupt Sinn, wenn ich eine Freundschaftsanfrage schicke? Vor allem dann schwierig, wenn man sich zuvor eine Weile lang bewusst krampfhaft gegenseitig ignoriert hat.
Mal ganz ehrlich: Den persönlichen Kontakt erhöhen das Web 2.0 und vor allem solche Netzwerke nicht wirklich, oder doch? Schüchterne, nicht ganz so partyorientierte Personen wie meine Wenigkeit werden auch nicht ständig online nachhaken, ob, wann, wo, wie, wer, und dann gibt es da diese Hemmschwelle zwischen virtuellem und realem Kontakt. Wer verabredet sich denn schon im Internet? Dazu musst mindestens eine Handynummer her, damit wenigstens eine SMS drin ist.

Es hat doch wohl auch einen schalen Beigeschmack, wenn ich jemanden auf einer Freundschaftsliste habe, obwohl ich mit der Person genau gar nichts zu tun habe. Da denken andere natürlich nicht so, anders ließen sich bei vielen die hunderten virtuellen Freundschaften auch nicht erklären. Das kann mir keiner weismachen, dass ich zu 300 Personen Kontakt halte, auch im Internet nicht! Es GEHT einfach NICHT! Zumindest nicht so, dass das eine ernsthafte Bekanntschaft bliebe, die wird höchstens langweilig an der Oberfläche gekratzt und über das Wetter geredet. Darauf bin ich dann auch nicht gerade neidisch.
Aber auch wenn ich die Person dann mal zufällig antreffen sollte: Mehr als eine “Heyah, lange nicht gesehen, was machst du, wie geht’s dir?”-Unterhaltung ist dann auch nicht drin. Ja klar. Es ginge auch noch mit “Du, ich hab keine Zeit, gehn wir mal was Trinken, du findest mich im Internet!”, aber das zwingt sich doch dann schon wieder ein bisschen auf, oder nicht? Der andere denkt sich seinen Teil und scheißt drauf, kauft doch keine Katze im Sack.

So pessimistisch will ich jetzt aber auch nicht denken. Ein Wiedersehen und ein bisschen Unterhaltung, auch wenn es dann fürs Erste wieder dabei bleibt, können interessant und aufschlussreich sein und mit etwas Engagement (oder Glück) kann auch wieder etwas mehr Kontakt entstehen. Vermutlich bleibt das dann aber eher die Ausnahme als die Regel, denn wie gesagt: Bekanntschaften hat ein Mensch unzählige, Freundschaften aus allen zu entwickeln würde den Rahmen des Machbaren sprengen. Aber warum nicht einige Ausgewählte im Hintergrund lauwarm halten, um vielleicht später mal darauf zurückgreifen zu können? Klar, zu einer Freundschaft braucht es immer etwas mehr als ein paar rationale Gründe, verlieren tut man aber nichts, eher im Gegenteil. Es ist ja auch schon etwas gewonnen, wenn man ein paar dieser Bekanntschaften wiederaufleben lassen kann, es müssen ja nicht immer gleich Ansprüche gestellt werden.

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Wetter.

29.09.2009

Reden wir übers Wetter.
Jeder redet über das Wetter. Es gibt kein oberflächlicheres Thema. Aber mir geht es jetzt nicht um das Wetter an sich, sondern eigentlich mehr um die Hysterie.

Es gibt eigentlich fast keine meteorologische Situation, über die sich nicht irgendwer akut beschwert. Zu heiß, zu kalt, zu wechselhaft, zu viel Schnee, zu wenig Schnee.
Wetter ist für mich das Paradebeispiel unter jenen Dingen, über die es sich sowieso nicht lohnt aufzuregen, da sie nicht beeinflussbar sind. Was bringt also das ewige Gemecker? Mich auf die Palme höchstens. Und damit lege ich mir selber eine Falle, weil ich kann die Leute auch nicht beeinflussen, rege mich aber über sie auf. Verdammt.

Interessante Phänomene sind aber so Kleinigkeiten wie geduckte Haltung, wenn es regnet und gerade kein Regenschirm zur Hand ist. In jedem Fall aber bedrückte Gesichter. Man merkt einfach: Die Leute leiden unter so viel Ungemach. Das macht dann immer am meisten Spaß, betont lässig zwischen hysterisch kreischenden, wasserscheuen Menschen durchzulaufen. Sie beachten einen zwar nicht, aber das darf man sich selber ja nicht einreden. Schlecht fürs Selbstbewusstsein. Einfach davon ausgehen, dass man gesehen wird und jeder insgeheim neidisch auf so viel Lockerheit ist.
Ja, man kann es übertreiben. Die Sonnenbrille-bei-Regen-Träger finde ich auch nicht gerade prickelnd, wenn die Lichtverhältnisse eindeutig nicht so sonnig sind. Kann mich spontan gar nicht entscheiden, ob dabei Brille im Gesicht oder auf dem Kopf schlimmer ist. Von Leuten, die sich die Kleidung vom Leib reißen, die Arme nach oben reißen und irgendwelche Götter preisen, während um sie das Chaos tobt, hätte ich noch nicht gehört. Die gibt es wohl nur im Film. Auf so was wäre ich aber insgeheim sicher neidisch.

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