Archiv für die Kategorie ‘Fernsehen’

h1

Schlagzeile.

20.09.2010

Schon jemals internationale Nachrichten beobachtet und gedacht: “Hey Leute, ihr ändert Protagonisten und Schauplätze, ansonsten war alles schon da”?
Und noch besser: Schon jemals andere beobachtet, wenn sie Nachrichten ansehen? Ein Haufen verständnisloses Kopfgeschüttle und eine dezent unterdrückte Sensationsgeilheit, dazu der ständige Mitteilungsdrang in Form von “Schau dir das an!”. Was ist es, das die Leute so an Negativmeldungen fasziniert?

Sieht man sich mal ganz unbefangen die Nachrichten an, wird man feststellen, dass es auf der Welt nur Leid gibt. Erdbeben im Westen, Überschwemmungen im Osten, Krieg im…. achso, gibt doch eh alles überall. Korrupte Politiker, Umweltskandale, keine Moral. Zwischendurch mal ein strahlender Sieger in einem ebenso populären wie irrelevanten Sport. Oh, nein, der war gedopt. Na zum Glück, das wäre ja auch sehr unwahrscheinlich gewesen. Das konnte gar nicht mit rechten Dingen zugehen! Was ist bloß aus dieser Welt geworden? Früher hat es das alles nicht gegeben. Es ist zum Verzweifeln, keine normalen Leute mehr auf der Welt. Am besten gleich die halben Kontakte im Telefonbuch verständigen und… bitte wer ist gestorben!?

Wird die scheinbar unabhängige Berichterstattung dazu verwendet, die Bevölkerung im eigenen Land zu manipulieren? Es geht uns schlecht? Dann seht euch mal an, wie schlimm es erst anderswo ist!
Könnte sich jemand erinnern, jemals Neuigkeiten aus, sagen wir, den Beneluxstaaten mitbekommen zu haben? Der Schweiz? Nein? Seltsam. Denen wird es doch hoffentlich nicht besser gehen als uns?! Und im Umkehrschluss: Bekommen deren Einwohner dann Negativberichterstattung über uns?
Man mag gar nicht darüber nachdenken. Oder vielleicht soll man gar nicht darüber nachdenken? Einfach berieseln lassen und keine Fragen stellen.

Aber führt dieser Überfluss an negativen Meldungen nicht zur totalen Abstumpfung? Man beginnt, sich an das ganze Elend da draußen zu gewöhnen. Es war noch nie anders und es wird nie anders sein. Kann man denn irgendwas tun? Diese ganzen grauenhaften Bilder am Bildschirm… irgendwie muss man doch sein fast schon schlechtes Gewissen besänftigen können? Man kann: Spenden. Die einfachste Methode, um sich dafür zu entschuldigen, dass es bei uns gerade keinen Krieg und keine Katastrophen und keine Hungersnöte gibt. Ihr wollt mehr? Dann stellt noch mehr Kamerateams auf und beweist uns, wie schlecht es euch geht!
Da übersieht man doch gerne, wie es im eigenen Land zugeht. Steuern erhöhen, Gehälter kürzen, alles wird teurer – schon wieder? Oh, ein Selbstmordattentäter in … Dings… wie heißt das Land? Na egal. Wo bin ich stehen geblieben? Ach Mensch, das Wetter wird schon wieder schlechter?!

h1

Nonplusultra.

21.01.2010

Im Leben gibt es gewisse Ideale und Werte, an denen sich die Leute orientieren. Jetzt ist das Problem aber, dass da manchmal eben willkürlich “Einheiten” festgesetzt werden, die sich überhaupt nicht abstufen lassen. Nein, falsch, eigentlich wird da ja gar keine Einheit festgesetzt. Eher macht sich die Institution bzw. das Produkt von selber einen Namen und gilt dann irgendwann als das Nonplusultra der ganzen Branche, dazwischen gibt es nur einige kleine Fische, die nicht mehr wirklich zählen.

Das kann jetzt bei diversen Filmpreisen oder sonstigen Auszeichnungen der Fall sein, bei Software oder bei Gerätschaften jeglicher Art. Entweder weil sich aus der Masse an möglichen Kandidaten einer als der Beste und Wichtigste und Aussagekräftigste herauskristallisieren MUSS oder weil bei der Entstehung noch keine Konkurrenz vorhanden war. Das System fährt sich so oder so dermaßen fest, dass es Mitstreiter schwer haben, sich zu behaupten.
Auch wenn inoffiziell bereits längst andere sich so weit etabliert hätten, dass sie qualitativ besser sind und als neuer Anhaltspunkt gelten sollten, hat der ehemalige Platzhirsch trotz seines verlorenen Glanzes noch einiges mitzureden.

Genau das macht mich von Zeit zu Zeit stutzig. Auch wenn ich selber weiß, dass es bessere Alternativen gäbe, halte ich mich lieber an meine Gewohnheiten und muss mich dann erst später von den innovativ mehr bewanderten in unserer Gesellschaft belächeln lassen, die natürlich schon längst gewusst haben, dass so ein Umstieg mehr als gerechtfertigt ist.

Aber auch wenn Leute nach und nach ihre Gewohnheiten ändern und doch etwas Neues probieren, sich selber ein Bild davon machen, irgendwo in ihrem Unterbewusstsein bleibt doch noch dieses veraltete Nonplusultra erhalten. Die Masse ist eben träge, und das macht es für manche Neulinge bzw. Innovationen schwierig, sich durchzusetzen.

Das ist in zweierlei Hinsicht schade. Zunächst ein Nachteil für die Bevölkerung selber: Sie lässt sich evtl. Besseres entgehen oder nimmt es nur unzureichend wahr. Als direkte Folge werden sich Hersteller, Veranstalter oder egal wer hinter den Kulissen arbeitet wieder zurückziehen; wenig Resonanz motivierte halt auch nicht. Also zweitens weniger Innovation bzw. Vielfalt.
Obwohl: Die Platzhirschen kennen da ja keine Skrupel, die schauen sich einfach bei der weniger bekannten Konkurrenz ein paar Sachen ab und verkaufen sie als neu. Da können die Geschröpften noch so laut “Wir waren aber zuerst!” schreien, es verhallt alles ungehört, weil ja jeder nur Ohren und Augen für das Nonplusultra hat.

Deshalb einfach mal ein bisschen nachdenken, sobald mit Superlativen geworfen wird. “Der/die/das Wichtigste, Bedeutendste, Größte und Beste” ist schnell gesagt, unabhängig vom Wahrheitsgehalt. Kennt man ja aus der Werbung.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.