Archiv für die Kategorie ‘Musik’

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Radio.

27.12.2011

Über Geschmack lässt sich ja bekanntermaßen nicht streiten, trotzdem probiert man es immer wieder, anderen seine eigenen Vorlieben näher zu bringen. Vielleicht findet man ja doch ein paar Gemeinsamkeiten, Überlappungen beim Musikgeschmack. Ansonsten kann ja prinzipiell gerne jeder seine eigene Stilrichtung favorisieren, nur bei dem einen, einzigen Kapitel zu dem Thema gibt es von mir einfach nicht mal einen Funken Verständnis: Radio.

Mittlerweile sind es schon weniger die Radiosender, die mich aufregen, wegen ihrer unoriginellen Mischung, die nur zäh variiert, die längste Zeit meinen Geschmack so rein überhaupt nicht trifft und wegen der ständigen Werbung, sondern es sind die Radiohörer, die sich den Mist auch noch freiwillig reinziehen, stundenlang täglich, unkritisch und sich nicht einmal selber fragend: “Mag ich das überhaupt alles?” Natürlich erst recht dann, wenn ich auch noch damit belästigt werde. Das geht natürlich auch an Feiertagen nicht anders, das Gedudel ist allgegenwärtig. Verteidigt wird es immer mit dem selben “Argument”: Das gefällt den meisten. Impliziert das also automatisch, dass es mir auch gefallen muss?

Und damit sind wir auch schon bei meiner zentralen Hypothese.

RadiohörerInnen beschäftigen sich nicht mit der Musik.

Das ist doch schon ziemlich paradox. Man hört Musik, beschäftigt sich aber gar nicht damit, hört nicht mal richtig hin. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, als wüssten die Radiohörer selber nicht, welche Musik ihnen eigentlich gefällt. Das äußert sich in so pseudokompetenten Nullaussagen wie “ich hör eigentlich eh alles” und “ich mag, was im Radio gespielt wird”. Anstatt sich Gedanken darüber zu machen, was gut ist und was nicht, und das ist nunmal höchst subjektiv, lässt man sich eine Art “zeitgenössischer Allgemeingeschmack” aufzwingen. Wieso würde man so etwas mit sich tun lassen, wo Musik doch so ziemlich der individuellste aller Geschmäcker ist?

Radiohörer nehmen einfach hin, was ihnen vorgesetzt wird. Sie nehmen die Musik gar nicht mehr wahr und erst recht nicht ihre Qualität bzw. ihre mangelnde. Anders lässt sich auch nicht erklären, wie man denselben Song über Monate hinweg mehrmals täglich hören kann, ohne blutende Ohren zu bekommen. Und wenn wir ehrlich sind: es gibt brillante, zeitlose Songs. Aber auch nur einmal am Tag und das über Monate hinweg – das hält auch so einer nicht aus. Interessanterweise sind einige der Radiohörfraktion in den kurzen, klaren Momenten dann aber doch auch schon mal von der immergleichen Mischung genervt – schalten aber trotzdem brav weiterhin ein und lassen sich berieseln. Ansonsten wird es ein Senderwechsel für die nächsten 2 Minuten schon richten. Warum eigentlich nicht einfach mal abschalten, wenn man eh nicht hinhört?

Radiohörer lassen ihren musikalischen Horizont nur ungern erweitern. Versuche, ihnen Delikatessen abseits des alltäglichen Musikbuffets näherzubringen, fruchten nicht so recht. Alles zu “nervig”, “alternativ”, etc. Paradoxerweise bekommt man aber keine Beschwerden, sollte sich die eine oder andere doch noch ins Repertoire des Senders verirren.
Nur meine Erfahrungen?

Und noch einmal eine Klarstellung: Ich kritisiere hier niemandes Musikgeschmack . Ich kritisiere hier jene, die zu bequem sind, sich zu überlegen, welche Musik sie gut finden und sich stattdessen irgendeinen durchschnittlichen Einheitsbrei vorsetzen lassen.
Es spricht nichts dagegen, sich auch aus dem Radioprogramm seine eigenen Favoriten rauszupicken. Das ganze garniert man mit einigen eigenen Entdeckungen und schon hat man doch sein eigenes Musikprogramm, richtig?

h1

Nonplusultra.

21.01.2010

Im Leben gibt es gewisse Ideale und Werte, an denen sich die Leute orientieren. Jetzt ist das Problem aber, dass da manchmal eben willkürlich “Einheiten” festgesetzt werden, die sich überhaupt nicht abstufen lassen. Nein, falsch, eigentlich wird da ja gar keine Einheit festgesetzt. Eher macht sich die Institution bzw. das Produkt von selber einen Namen und gilt dann irgendwann als das Nonplusultra der ganzen Branche, dazwischen gibt es nur einige kleine Fische, die nicht mehr wirklich zählen.

Das kann jetzt bei diversen Filmpreisen oder sonstigen Auszeichnungen der Fall sein, bei Software oder bei Gerätschaften jeglicher Art. Entweder weil sich aus der Masse an möglichen Kandidaten einer als der Beste und Wichtigste und Aussagekräftigste herauskristallisieren MUSS oder weil bei der Entstehung noch keine Konkurrenz vorhanden war. Das System fährt sich so oder so dermaßen fest, dass es Mitstreiter schwer haben, sich zu behaupten.
Auch wenn inoffiziell bereits längst andere sich so weit etabliert hätten, dass sie qualitativ besser sind und als neuer Anhaltspunkt gelten sollten, hat der ehemalige Platzhirsch trotz seines verlorenen Glanzes noch einiges mitzureden.

Genau das macht mich von Zeit zu Zeit stutzig. Auch wenn ich selber weiß, dass es bessere Alternativen gäbe, halte ich mich lieber an meine Gewohnheiten und muss mich dann erst später von den innovativ mehr bewanderten in unserer Gesellschaft belächeln lassen, die natürlich schon längst gewusst haben, dass so ein Umstieg mehr als gerechtfertigt ist.

Aber auch wenn Leute nach und nach ihre Gewohnheiten ändern und doch etwas Neues probieren, sich selber ein Bild davon machen, irgendwo in ihrem Unterbewusstsein bleibt doch noch dieses veraltete Nonplusultra erhalten. Die Masse ist eben träge, und das macht es für manche Neulinge bzw. Innovationen schwierig, sich durchzusetzen.

Das ist in zweierlei Hinsicht schade. Zunächst ein Nachteil für die Bevölkerung selber: Sie lässt sich evtl. Besseres entgehen oder nimmt es nur unzureichend wahr. Als direkte Folge werden sich Hersteller, Veranstalter oder egal wer hinter den Kulissen arbeitet wieder zurückziehen; wenig Resonanz motivierte halt auch nicht. Also zweitens weniger Innovation bzw. Vielfalt.
Obwohl: Die Platzhirschen kennen da ja keine Skrupel, die schauen sich einfach bei der weniger bekannten Konkurrenz ein paar Sachen ab und verkaufen sie als neu. Da können die Geschröpften noch so laut “Wir waren aber zuerst!” schreien, es verhallt alles ungehört, weil ja jeder nur Ohren und Augen für das Nonplusultra hat.

Deshalb einfach mal ein bisschen nachdenken, sobald mit Superlativen geworfen wird. “Der/die/das Wichtigste, Bedeutendste, Größte und Beste” ist schnell gesagt, unabhängig vom Wahrheitsgehalt. Kennt man ja aus der Werbung.

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Musikgeschmack.

24.09.2009

Musik ist schon irgendwie ein Phänomen. Sie kann Menschen bewegen, ermutigen, aufheitern, traurig machen. Sagt man zumindest. Unzählige Artisten und Komponisten und noch mehr Songs. Ich frage mich manchmal, wie lange es noch dauert, bis jede Melodie schon einmal da gewesen ist. Jede Kombination. Bei den Texten handelt es sich ja nur allzu oft um das gleiche Thema. Aber ansonsten findet sich nach wie vor überraschend viel Neues (wenn man sich die Mühe macht, danach zu suchen). Sieht also nicht so aus, als würde die Musikbranche diesbezüglich demnächst in eine Krise schlittern.

Jetzt klinge ich gerade für mich selber eine Spur zu melodramatisch. Also. Worauf ich eigentlich hinaus wollte, dass man zwar bei einigen Liedern durchaus sagen kann, dass sie Parallelen oder Ähnlichkeiten aufweisen, sofern aber nicht gerade bewusst abgekupfert wurde, Passagen daraus gesamplet wurden oder Ähnliches, dann lässt sich ein Song einfach nicht zweimal schreiben.
Kann ich das so sagen? Ja kann ich. Ist ja auch mein Blog. Ätsch.

Musikgeschmack ist dann wieder das Zweite. Ich weiß nicht genau warum, aber Radio ist für mich einfach gestorben. Na gut, Werbung und so weiter. Die nervt mich bewusst. Und dass manche Songs einfach 10 mal am Tag ausgestrahlt werden…
Es strapaziert schon sehr die eigene Sympathie für ein Lied, wenn man es so oft hört. Und dennoch: Einige, die man selber mag, und die nicht im Radio gespielt werden, hört man sich doch auch freiwillig öfters am Tag an.
Noch komplizierter wird es, wenn ich an die Kategorisierung denke. In meinem Repertoire, traue ich mich zu behaupten, sind durchaus einige mainstreamtaugliche Stücke dabei, die in das Schema gewisser Sender passen würden. Sie werden aber nicht gespielt. Sie wurden vielleicht sogar mal von einem Album ausgekoppelt, und selten aber doch auf diversen Musiksendern samt Video ausgestrahlt.
Aber allein die Tatsache, dass ein Song nicht unter den Top 20 oder was auch immer ist, reicht, dass er nicht im Radio auftaucht.

WARUM!?

Das ist doch ein Teufelskreis. Wie soll das gemeine Volk sich an Songs gewöhnen und diese für gut befinden, wenn es sie nicht kennt?
Und vor allem: Wem gefällt denn der Einheitsbrei überhaupt noch, der da tagtäglich gespielt wird? Und ich brauche nur für 1 Minute versehentlich oder gegen meinen Willen einem Radiosender zuhören, ich bekomme bestimmt Aggressionen. Wegen der Feigheit der (meisten) Radiosender, einmal etwas Neues zu probieren.

Hier kommt dann diese Indie-Schiene zum Zug. Indie ist ja überhaupt zu so einem Zauberwort geworden. Synonym für kreativ, neuartig, vielleicht ein bisschen rebellisch, wenn man es mal etwas durch die rosa Brille betrachten will. Abseits des Mainstream, aber mit einer mittlerweile wahrscheinlich ebenso großen Anhängerschaft. Also ist Indie eigentlich doch der neue Pop, wenn man mal davon absieht, dass es Indie-Pop und Indie-Rock und weitere dieser Kategorien gibt.
Auf jeden Fall finden sich darunter wahre Juwelen, mit unverbrauchten Melodien und Arrangements. Vermutlich verhält es sich dabei wie mit einer Religion. Die einen können die anderen nie richtig verstehen, was sie dazu bewegt. Eine Gruppe ist halt dabei der Radiohörer, der andere der Indiehörer.
Ich habe eigentlich nie Musik bewusst nach einer Kategorie gewählt. Was mir gefällt, gefällt mir halt. Aber in letzter Zeit stelle ich fest, dass die Wahrscheinlichkeit, im Indie-Bereich fündig zu werden, um ein Wesentliches größer ist gegenüber Mainstream. Und wenn man ein bisschen aufpasst, finden sich ja auf einmal bestimmte Songs im Fernsehen wieder. Da fällt einem auf, dass ein sonst unbemerkter Song eigentlich schon seit Wochen in einer Werbung läuft. Oder Titelmelodie für was weiß ich was ist. Und auf einmal fühlt man sich gar nicht mehr so “abgegrenzt” als Indiehörer. Die Musik findet ja doch ihre Beachtung, scheint es. Aber zu wenig. Oder ist es etwa so, dass sobald eine Band kommerziell erfolgreich ist, sie gleich schlechter wird? Ich frage mich schon lange, ob ich Songs und Interpreten nicht unbewusst abwerte, sobald ich sie in den Charts höre. Praktisch als ob sie Hochverrat begangen hätten.

Ich bin mittlerweile voll überzeugt, dass “gute” Musik ihre Zeit braucht, bis sie als solche erkannt wird. Heißt: Einen Song muss man öfters und bewusst anhören, bevor er einem gefällt. Selten aber doch verhält es sich mit einem Album wie mit Wein, der erst reifen muss. Aber jetzt werde ich kitschig.
Vermutlich ist der eigene Musikgeschmack so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Ich möchte es einfach einmal erleben, dass jemand meine gesamte Musiksammlung für gut befindet. Es kann zwar eine gewisse Übereinstimmung bei manchen Bands oder manchen Stilrichtungen geben, aber das sind nur kleine Bruchteile. Scheint, als gäbe es im Musikuniversum einfach zu viel Auswahl, als dass hier auch nur einmal eine 90% Trefferquote zustande käme. Aber wer weiß, vielleicht wär’s ja auch fad, vielleicht würde sich der eigene Musikgeschmack auch nicht weiterentwickeln, wenn keine neuen Impulse von außen dazu kommen. Nein, bestimmt sogar.

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