Archiv für die Kategorie ‘Zukunft’

h1

Elektro.

08.09.2011

Soso, die Zukunft ist also elektrisch, was die Fortbewegung betrifft. Ich muss sagen, ich war ziemlich skeptisch, wenn es um das heißgeliebte Thema Autofahren geht. Autos, die lautlos sind und ohne Schaltung und überhaupt und sowieso?! Die Tage der rassigen, kreischenden oder blubbernden Sportwägen wären gezählt. Und außerdem sehen diese ganzen Konzeptautos immer so furchtbar futuristisch und grauslich aus – nein danke!

Aber es hat sich viel getan im, sagen wir, letzten Jahr und die technischen Konzepte sind vielfältig und interessant. Kernproblem wie Reichweite und Gewicht der Akkus werden noch länger ein Thema bleiben, aber es geht in eine vielversprechende Richtung. Die Lösung mit Reichweitenverlängerer durch gekoppelten Verbrennungsmotor  gefällt  mir da persönlich am besten bei den Hybridvarianten, und wenn man sich das Drehmoment der Elektromotoren mal vor Augen hält, bekommt man durchaus einen wässrigen Mund, auch wenn die Fahrzeuge meistens ihrer Handschaltung beraubt wurden und man sich erst an den neumodischen Charme mancher Cockpits gewöhnen muss. Der Neid frisst einen förmlich, wenn man an die ganzen Motorjournalisten denkt, die mit allen möglichen Gefährten probefahren dürfen und dafür auch noch Geld verdienen. Die Bezahlbarkeit solcher Autos ist nämlich momentan auch noch, nun ja, ausbaufähig. Alltagstauglichkeit ist dagegen keine Utopie mehr. Umso schöner ist es also, dass hier ein schöner nahtloser Übergang stattfindet – es ist interessant zu beobachten, wie Technologien angekündigt werden und wie sie dann nach und nach tatsächlich auf den Straßen auftauchen.

Bei all dem vergisst man aber immer, dass Strom auch nicht emissionsfrei ist. Woher soll er denn kommen? Da ist dann wirklich Nachhaltigkeit gefragt, das wird in der Hitze des Gefechts allzu gern mal unterschlagen von der Marketingmaschinerie. Bleibt zu hoffen, dass sich hier allmählich ebenfalls etwas tut. Kohle- und Ölkraftwerke einerseits, um den Individualverkehr “umweltfreundlich” zu machen andererseits hätte schon was Perverses. Zynisch wie ich bin, trau ich mich fast schon zu behaupten, dass der Verkehr in von mir aus 20 Jahren, wenn er dann endlich großteils elektrisch ist, immer noch der Umweltsünder ist – weil er ja ach so bösen Strom braucht. Aber nur fast. Dazu bin ich momentan zu optimistisch und zu neugierig darauf, was die Zukunft noch alles bringt.

h1

Schwarzmalerei.

16.11.2009

Wir essen zu viel, zu fett, zu salzig. Wir bewegen uns zu wenig und werden immer bequemer. Allergien sind mehr die Regel als die Ausnahme. Wirtschaftskrisen betreffen uns alle, Wohlstand und Reichtum gehören aber nur einigen wenigen. Wir zerstören die Umwelt, beuten die letzten Energiequellen aus, die Pensionen werden immer magerer, Fernsehen schlechter, Internet gefährlicher, das Wetter spielt verrückt, und dann auch noch die Grippewellen… HERRJE!
Wie können wir nur auf diesem Planeten überleben, und was hinterlassen wir da eigentlich den Generationen nach uns?
Die Berichterstattung wackelt böse mit dem Zeigefinger und will, dass wir uns alle mal gehörig schämen. Pfui, das kann’s doch nicht sein, mehr Disziplin bitte, Kinder!

Schlimmer als die eigentlich unabstreitbaren Tatsachen (ja, die Umwelt hat gelitten und sie leidet immer noch) sind aber diese absurden Panikmachen, wie vor einigen Jahren mit H5N1 oder gerade wieder neu aufgewärmt mit H1N1. Die Leute wollen sich teilweise ja sogar für blöd verkaufen lassen, nur haben die ersten Anspornversuche zur Impfung wenig gebracht. Resultat: Einfach mehr Berichte von der schlimmen, schlimmen Grippe und seinen Opfern, die jetzt wie Pilze aus dem Erdboden schießen. Na gut, dann lassen sich ein paar vorsichtige Gemüter doch impfen. Dann sind wieder alle zufrieden und beruhigt – man ist gesund, der Impfstoff kommt auch endlich weg.
Mag sein, dass es einige bestätigte Fälle gibt, aber das gleich zu einer Bedrohung solchen Ausmaßes aufzublasen – eigentlich müssten sich doch die Medien schämen. Demnächst raten sie der Bevölkerung, sich möglichst daheim zu verschanzen, zuvor aber noch kräftig Vorräte aufzustocken, kurbelt ja auch gleich die Wirtschaft an.

Eigentlich darf man als moderner Mensch überhaupt nichts mehr tun, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Autofahren? Einheizen? Warmes Wasser verwenden? Herkömmliche Glühbirnen verwenden, vielleicht als Leuchtmittel sogar für besser geeignet befinden? Nicht-Bio kaufen? Ökologisch nicht vertretbar.
Übrig gebliebene Lebensmittel wegwerfen? Nicht-Fair-Trade-Produkte kaufen? Ethisch ein echtes Problem.
Essen, was schmeckt? Mal egoistisch sein? Urlaub machen und faul sein? Andere nicht bemitleiden? Gerne übergewichtig sein? Besser nicht einmal daran denken! Was nicht der Norm entspricht, wird mit großen Augen angestarrt und geächtet, manchmal auch beneidet. Wie gut, dass für solche Fälle total hirnrissige Aufschläge verrechnet werden können, dann zB. unter Öko-Steuer oder was weiß ich laufen – das beruhigt das Gewissen doch gleich ungemein!

Alles, was sich der Mensch jemals aufgebaut hat, ist plötzlich falsch. Für jede Behauptung finden sich auch gleich eine Handvoll Experten, die gleich überirdische Theorien aufstellen, die ein halbwegs gut erzogener Tafelklassler mit reinem Hausverstand aufstellen könnte. Aber was sich gut nachvollziehen lasst, muss ja richtig sein. Guter Experte, braver Experte. Erklär uns ruhig, warum in der menschlichen Evolution eigentlich schon während der Steinzeit das Feuermachen eine Schädigung für die Umwelt war und deshalb schon verboten gehört hätte. Jetzt ist es zu spät und kollektives Kopfschütteln ist angesagt. Die böse Menschheit aber auch.

Wie viel schlechte Nachrichten muss ein Mensch pro Tag eigentlich aufnehmen, bevor er sein Pensum erreicht und sich dafür selber auf die Schultern klopfen darf? Oh, im Osten sind wieder  Autobomben hochgegangen,  Gebäude in Brand gesteckt worden,  Leute  gestorben. Welche Überraschung, aber morgen wird sicher alles besser. Ein bisschen Mitleid für die Welt, dann ist allen geholfen und ich darf Feierabend machen.
Braucht mir keiner erzählen, dass es nicht mindestens genauso viele gute Neuigkeiten gäbe, nur verkaufen sich die nicht halb so gut und sie lassen sich auch nicht reißerisch-dramatisch inszenieren.
An den Negativschlagzeilen erkennen wir ja, wie gut es uns im eigenen Land geht. Ach ja? Als ob die Berichterstattung für mehr Zufriedenheit sorgen wollte.

Also mich wundert meine eigene Abgestumpftheit in diesem Angelegenheiten schon nicht mehr, wenn ich das alles so betrachte. Ist der Mensch nicht generell so, dass er alles relativiert? Bei der Reizüberflutung müssen sich die Medien schon richtig Mühe geben, um da noch eins draufzusetzen. Abgesehen von der Analyse jetzt eben lässt mich die ganze Hysterie deshalb recht kalt, wenn sie mich nicht unmittelbar betrifft.

h1

Elektroautos.

20.09.2009

Für mich zwar vernünftig gesehen absolut notwendig, wenn es um Nachhaltigkeit geht, sofern die elektrische Energie dazu entsprechend aus erneuerbaren Quellen stammt. Kennt man ja. Würde ja sonst wieder keinen Sinn ergeben.

Aber einen schalen Nachgeschmack hat das Thema für mich dann auch. Wo man eh heutzutage schon diese Rührschüsseln mit 1,2 Litern Hubraum fährt, die alles andere als sportlich klingen, so soll es in der Zukunft überhaupt nur mehr surren..? Man denke nur an die herrlich blubbernden Oldtimer mit mehreren Litern Hubraum. Also rein soundtechnisch lässt sich Hubraum wirklich durch nichts ersetzen, auch wenn die Oldtimer jetzt nur zur Veranschaulichung dienen, immerhin stinken und saufen die ja doch teilweise beträchtlich.
Von der Entwicklung her gibt es ja schon “Vielversprechendes”, Sportwägen mit Elektroantrieb. Prototypen natürlich. Aber wird das einen Autoliebhaber zufrieden stellen? Drehmoment hin oder her – ohne den richtigen Sound passt’s halt nicht.

Für mich ist es auch kein Trost, wenn’s heißt, der Sound könnte ja künstlich erzeugt werden, was ja auch im Sinne der Fußgängersicherheit wäre.
Da stellt’s mir sowieso sämtliche Nackenhaare auf. Etwas künstlich erzeugen. Mir ist es schon zu viel, wenn in einem Auto keine Rundinstrumente sind, sondern diese Digitalanzeigen. Das wirkt so kalt und elektronisch. So gekünstelt.
Überhaupt: Manche Dinge behalten lieber ihren mechanischen Ursprung. Es darf ja ruhig eine gute Mischung aus Mechanik mit elektronischer Unterstützung und/oder Überwachung sein. Aber man stelle sich Lenkräder vor, die eigentlich nur mehr vorgeben, mechanisch an die Räder gekoppelt zu sein. Wahrscheinlich ist es ja bereits so, ich will es gar nicht wissen! Meines Erachtens aber reine Fiktion, weil wenn da ein Stellmotor (der ja die mechanische Lenkung ersetzen müsste) ausfällt, dann gute Nacht. Dennoch, rein vom Gefühl her wirkt es so herablassend. Warum? Weil die Elektronik (eh jetzt schon teilweise, siehe Antischlupfsysteme, Abstandshaltesysteme usw.) überall eingreifen kann. Als ob der Fahrer ein kleines Kind wäre, auf das es aufzupassen gälte. Wenn ich fahre, möchte ich VERDAMMT NOCH MAL selber Herr über mein Fahrzeug sein und die Verantwortung haben! (Bei einem Unfall kann sich ja dann doch keiner darauf berufen, dass die Elektronik versagt hätte, oder doch?)
Manche dieser Helfer können ja auch praktisch sein. Das will ich jetzt auch nicht alles schlecht machen. Tempomat auf der Autobahn? Na gut. Ich komme auch ohne zurecht, aber ich glaub es ja gern, dass es für manch einen eine feine Sache ist. ESP und ABS sind für mich auch in erster Linie einfach der Sicherheit zuträglich und die schalten ja im Normalfall auch nur in Grenzsituationen.
Alles, was aber dem Fahrer schon einen Teil des eigentlichen Fahrens abnimmt, ist für mich zu viel des guten. Und das fängt für mich bei Parksensoren, Automatikgetriebe und automatischen Scheibenwischern an (echt, die Teile machen mich nervös!) und hört bei Spurhalteassistenten auf.

Mir gefallen die Zukunftsvisionen einfach nicht. Schon in Filmen, wenn alles und jeder lautlos dahingleitet. Riesige Glasflächen. Autos, die nicht mehr als solche zu erkennen sind. Alles automatisiert. Wo bleibt da der Spaß? Wo das erforderliche Können, das Geschick? Kupplung, Gas, Bremse, wird das alles obsolet?
Ich hoffe doch, dass es, bis es wirklich so weit ist, noch einige Zeit hin ist. Ein Auto ohne Verbrennungsmotor, das ist für mich (ein platterer Vergleich fällt mir gerade nicht ein) wie eine gefälschte Markenuhr. Etwas, das vorgibt, etwas zu sein, was es nicht ist. Und das macht einfach nur halb so viel Spaß.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.